Das Problem des Sokrates.
i.
Über das Leben haben zu allen Zeiten die Weisestengleich geurtheilt: es taugt nichts . . . Immer und über-all hat man aus ihrem Munde denselben Klang gehört, —einen Klang voll Zweifel, voll Schwermuth, voll Müdig-keit am Leben, voll Widerstand gegen das Leben. SelbstSokrates sagte, als er starb: „leben — das heisst langekrank sein: ich bin dem Heilande Asklepios einen Hahnschuldig.“ Selbst Sokrates hatte es satt. — Was be-weist das? Worauf weist das? — Ehemals hätte mangesagt (— oh man hat es gesagt und laut genug undunsre Pessimisten voran!): „Hier muss jedenfalls Etwaswahr sein! Der consensus saftientium beweist die Wahr-heit.“ — Werden wir heute noch so reden? dürfen wirdas? „Hier muss jedenfalls Etwas krank sein“ — gebenwir zur Antwort: diese Weisesten aller Zeiten, mani sollte sie sich erst aus der Nähe ansehn! Waren sievielleicht allesammt auf den Beinen nicht mehr fest ?spät? wackelig? decadents ? Erschiene die Weisheit viel-leicht auf Erden als Rabe, den ein kleiner Geruch vonAas begeistert? . . .
2 .
Mir selbst ist diese Unehrerbietigkeit, dass diegrossen Weisen Niedergangs-Typen sind, zuerst