redet kein Musiker. Nochmals gesagt, Wagner konntenicht aus dem Ganzen schaffen, er hatte gar keine Wahl,er musste...Stückw.erk .machen, „Motive“, Gebärden, For-meln, Verdopplungen und Verhundertfachungen, er bliebRhetor als Musiker, — er musste grundsätzlich deshalbdas „es bedeutet“ in den Vordergrund bringen. „DieMusik ist immer nur ein Mittel“: das war seine Theorie,das war vor Allem die einzige ihm überhaupt möglichePraxis. Aber so denkt kein Musiker. — Wagner hatteLitteratur nöthig, um alle Welt zu überreden, seine Musikernst zu nehmen, tief zu nehmen, „weil sie Unendlichesbedeute“; er war zeitlebens der Commentator der „Idee“.— Was bedeutet Elsa? Aber kein Zweifel: Elsa ist „derunbewusste Geist des Volks“ (— „mit dieser Erkenntnisswurde ich nothwendig zum vollkommnen Revolutionär“ —).
Erinnern wir uns, dass Wagner in der Zeit, wo Hegelund Sclielling die Geister verführten, jung war; dass ererrieth, dass er mit Händen griff, was allein der Deutscheernst nimmt — „die Idee“, will sagen Etwas, das dunkel,ungewiss, ahnungsvoll ist; dass Klarheit unter Deutschenein Einwand, Logik eine Widerlegung ist. Schopenhauerhat, mit Härte, die Epoche Hegel’s und Schelling’s derUnredlichkeit geziehn, — mit Härte, auch mit Unrecht:er selbst, der alte pessimistische Falschmünzer, hat es inNichts „redlicher“ getrieben als seine berühmteren Zeit-genossen. Lassen wir die Moral aus dem Spiele: Hegelist ein Geschmack . . . Und nicht nur ein deutscher,sondern ein europäischer Geschmack! — Ein Geschmack,den Wagner begriff! — dem er sich gewachsen fühlte!den er verewigt hat! — Er machte bloss die Nutzanwen-dung auf die Musik — er erfand sich einen Stil, der„Unendliches“ bedeutet, — er wurde der Erbe Hegel’s...Die Musik als „Idee“ — —
TSTietzsche, Werke Band VIII. 3