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8 : Abth. 1, Bd. 8 (1895) Der Fall Wagner [u.a.]
Entstehung
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Ich habe Lust, ein wenig die Fenster aufzumachen.Luft! Mehr Luft!

Dass man sich in Deutschland über Wagner betrügt,,befremdet mich nicht. Das Gegentheil würde mich be-fremden. Die Deutschen haben sich einen Wagnerzurecht gemacht, den sie verehren können: sie warennoch nie Psychologen, sie sind damit dankbar, dass siemissverstehn. Aber dass man sich auch in Paris überWagner betrügt! wo man beinahe nichts Andres mehrist als Psycholog. Und in Sankt-Petersburg! wo manDinge noch erräth, die selbst in Paris nicht errathenwerden. Wi e verwandt muss Wagner der gesammteneuropäischen decadence sein, dass er von ihr nicht alsdecadent empfunden wird! Er gehört zu ihr: er ist ihrProtagonist, ihr grösster Name . . . Man ehrt sich, wennman ihn in die Wolken hebt. Denn dass man nichtgegen ihn sich wehrt, das ist selbst schon ein Zeichenvon decadence. Der Instinkt ist geschwächt. Was manzu scheuen hätte, das zieht an. Man setzt an die Lippen,was noch schneller in den Abgrund treibt. Will manein Beispiel? Aber man hat nur das regime zu beob-achten, das sich Anämische oder Gichtische oder Diabe-tiker selbst verordnen. Definition des Vegetariers: einAVesen, das eine corroborirende Diät nöthig hat. DasSchädliche als schädlich empfinden, sich etwas Schäd-liches verbieten können, ist ein Zeichen noch von Jugend,von Lebenskraft. Den Erschöpften lockt das Schädliche:den Vegetarier das Gemüse. Die Krankheit selbst kann einStimulans des Lebens sein: nur muss man gesund genug fürdies Stimulans sein! AVagner vermehrt die Erschöpfung:deshalb zieht er die Schwachen und Erschöpften an. Ol)über das Klappersclilangen-Glück des alten Meisters, daer gerade immerdie Kindlein zu sich kommen sah!

Nietzsche, Werke Band VIII.

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