was liat er uns Alles vorgemacht! Das Erste, was seineKunst uns anbietet, ist ein Vergrösserungsglas: man siehthinein, man traut seinen Augen nicht, — Alles wird gross,selbst Wagner wird gross . . . Was für eine klugeKlapperschlange! Das ganze Leben hat sie uns von „Hin-gebung“, von „Treue“, von „Reinheit“ vorgeklappert, miteinem Lobe auf die Keuschheit zog sie sich aus der ver-derbten Welt zurück! — Und wir haben’s ihr geglaubt...
— Aber Sie hören mich nicht? Sie ziehen selbstdas Problem Wagner’s dem Bizet’s vor? Auch ichunterschätze es nicht, es hat seinen Zauber. Das Problemder Erlösung ist selbst ein ehrwürdiges Problem. Wagnerhat über Nichts so tief wie über die Erlösung nach-gedacht: seine Oper ist die Oper der Erlösung. Irgendwer will bei ihm immer erlöst sein: bald ein Männlein,bald ein Fräulein — dies ist sein Problem. — Und wiereich er sein Leitmotiv variirt! Welche seltenen, welchetiefsinnigen Ausweichungen! Wer lehrte es uns, wennnicht Wagner, dass die Unschuld mit Vorliebe interessanteSünder erlöst? (der Fall im Tannhäuser) Oder dass selbstder ewige Jude erlöst wird, sesshaft wird, wenn er sichverlieirathet? (der Fall im Fliegenden Holländer) Oderdass alte verdorbene Frauenzimmer es vorziehn, vonkeuschen Jünglingen erlöst zu werden? (der Fall Kundry)Oder' dass junge Flysterische am liebsten durch ihrenArzt erlöst werden? (der Fall im Lohengrin) Oderdass schöne Mädchen am liebsten durch einen Rittererlöst werden, der Wagnerianer ist? (der Fall in denMeistersingern) Oder dass auch verheirathete Frauengerne durch einen Ritter erlöst werden? (der Fall Isol-dens) Oder dass „der alte Gott“, nachdem er sichmoralisch in jedem Betracht compromittirt hat, endlichdurch einen Freigeist und Immoralisten erlöst wird? (der