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Und als ich unter vier Augen mit meiner wildenWeisheit redete, sagte sie mir zornig: „Du willst, dubegehrst, du liebst, darum allein lobst du das Leben!“
Fast hätte ich da bös geantwortet und der Zornigendie Wahrheit gesagt; und man kann nicht böser antwor-ten, als wenn man seiner Weisheit „die Wahrheit sagt“.
So nämlich steht es zwischen uns Dreien. VonGrund aus liebe ich nur das Leben — und, wahrlich,am meisten dann, wenn ich es hasse!
Dass ich aber der Weisheit gut bin und oft zu gut:das macht, sie erinnert mich gar sehr an das Leben!
Sie hat ihr Auge, ihr Lachen und sogar ihr goldnesAngelrüthchen: was kann ich dafür, dass die Beidensich so ähnlich sehn?
Und als mich einmal das Leben fragte: Wer istdenn Das, die Weisheit? — da sagte ich eifrig: „Ach ja!die Weisheit!
Man dürstet um sie und wird nicht satt, man blicktdurch Schleier, man hascht durch Netze.
Ist sie schön? Was weiss ich! Aber die ältestenKarpfen werden noch mit ihr geködert.
Veränderlich ist sie und trotzig; oft sah ich sie sichdie Lippe beissen und den Kamm wider ihres HaaresStrich führen.
Vielleicht ist sie böse und falsch, und in Allem einFrauenzimmer; aber wenn sie von sich selber schlechtspricht, da gerade verführt sie am meisten.“
Als ich diess zu dem Leben sagte, da lachte esboshaft und machte die Augen zu. „Von wem redestdu doch? sagte sie, wohl von mir?