f
*\
ausruht vom Schenken; das ist mein Neid, dass ich war-tende Augen sehe und die erhellten Nächte der Sehnsucht.
Oh Unseligkeit aller Schenkenden! Oh Verfinste-rung meiner Sonne! Oh Begierde nach Begehren!Oh Heisshunger in der Sättigung!
Sie nehmen von mir: aber rühre ich noch an ihreSeele? Eine Kluft ist zwischen Geben und Nehmen;und die kleinste Kluft ist am letzten zu überbrücken.
Ein Hunger wächst aus meiner Schönheit: wehe-thun möchte ich Denen, welchen ich leuchte, beraubenmöchte ich meine Beschenkten: — also hungere ichnach Bosheit.
Die Hand zurückziehend, wenn sich schon ihr dieHand entgegenstreckt; dem Wasserfalle gleich zögernd,der noch im Sturze zögert: — also hungere ich nachBosheit.
Solche Rache sinnt meine Fülle aus: solche Tückequillt aus meiner Einsamkeit.
. Mein Glück im Schenken erstarb im Schenken,meine Tugend wurde ihrer selber müde an ihrem Über-flüsse !
Wer immer schenkt, dessen Gefahr ist, dass erdie Scham verliere; wer immer austheilt, dessen Handund Herz hat Schwielen vor lauter Austheilen.
Mein Auge quillt nicht mehr über vor der Schamder Bittenden; meine Hand wurde zu hart für dasZittern gefüllter Hände.
Wohin kam die Thräne meinem Auge und derFlaum meinem Herzen? Oh Einsamkeit aller Schenken-den! Oh Schweigsamkeit aller Leuchtenden!
V
J