Und insgleichen die Sünder und bösen Gewissen!Glaubt mir, meine Freunde: Gewissensbisse erziehn zumBeissen.
Das Schlimmste aber sind die kleinen Gedanken.Wahrlich, besser noch bös getlian, als klein gedacht!
Zwar ihr sagt: „die Lust an kleinen Bosheitenerspart uns manche grosse böse That.“ Aber hier sollteman nicht sparen wollen.
Wie ein Geschwür ist die böse That: sie juckt undkratzt und bricht heraus, — sie redet ehrlich.
„Siehe, ich bin Krankheit“ — so redet die böseThat; das ist ihre Ehrlichkeit.
Aber dem Pilze gleich ist der kleine Gedanke: erkriecht und duckt sich und will nirgendswo sein — bisder ganze Leib morsch und welk ist vor kleinen Pilzen.
Dem aber, der vom Teufel besessen ist, sage ichdiess Wort in’s Ohr: „besser noch, du ziehest deinenTeufel gross! Auch für dich giebt es noch einen Wegder Grösse!“ —
Ach, meine Brüder! Man weiss von JedermannEtwas zu viel! Und Mancher wird uns durchsichtig, aberdesshalb können wir noch lange nicht durch ihn hindurch.
Es ist schwer mit Menschen zu leben, weil Schwei-gen so schwer ist.
Und nicht gegen Den, der uns zuwider ist, sindwir am unbilligsten, sondern gegen Den, welcher unsgar Nichts angeht.
Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinemLeiden eine Ruhestätte, doch gleichsam ein hartes Bett,ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen.
Nietzsche, Werke Band VI.
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