Druckschrift 
Also sprach Zarathustra : ein Buch für alle und keinen
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

Traum soll dir verrathen, was dein Freund im Wachenthut.

Ein Errathen sei dein Mitleiden: dass du erstwissest, ob dein Freund Mitleiden wolle. Vielleichtliebt er an dir das ungebrochne Auge und den Blickder Ewigkeit.

Das Mitleiden mit dem Freunde berge sich untereiner harten Schale, an ihm sollst du dir einen Zahnausbeissen. So wird es seine Feinheit und Süssehaben.

Bist du reine Luft und Einsamkeit und Brod undArznei deinem Freunde? Mancher kann seine eignenKetten nicht lösen und doch ist er dem Freunde einErlöser.

Bist du ein Sclave? So kannst du nicht Freundsein. Bist du ein Tyrann? So kannst du nicht Freundehaben.

Allzulange war im Weibe ein Sclave und einTyrann versteckt. Desshalb ist das Weib noch nichtder Freundschaft fähig: es kennt nur die Liebe.

In der Liebe des Weibes ist Ungerechtigkeit undBlindheit gegen Alles, was es nicht liebt. Und auchin der wissenden Liebe des Weibes ist immer nochÜberfall und Blitz und Nacht neben dem Lichte.

Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig:Katzen sind immer noch die Weiber, und Vögel. Oder,besten Falles, Kühe.

Noch ist das Weib nicht der Freundschaft fähig.Aber sagt mir, ihr Männer, wer von euch ist dennfähig der Freundschaft?