Druckschrift 
Also sprach Zarathustra : ein Buch für alle und keinen
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

t

Von der Keuschheit.

Ich liebe den Wald. In den Städten ist schlechtzu leben: da giebt es zu Viele der Brünstigen.

Ist es nicht besser, in die Hände eines Mörders zugerathen, als in die Träume eines brünstigen Weibes?

Und seht mir doch diese Männer an: ihr Augesagt es sie wissen nichts Besseres auf Erden, als beieinem Weibe zu liegen.

Schlamm ist auf dem Grunde ihrer Seele; undwehe, wenn ihr Schlamm gar noch Geist hat!

Dass ihr doch wenigstens als Thiere vollkommenwäret! Aber zum Thiere gehört die Unschuld.

Rathe ich euch, eure Sinne zu tödten? Ich ratheeuch zur Unschuld der Sinne.

Rathe ich euch zur Keuschheit? Die Keuschheitist bei Einigen eine Tugend, aber bei Vielen beinaheein Laster.

Diese enthalten sich wohl: aber die Hündin Sinn-lichkeit blickt mit Neid aus Allem, was sie tliun.

Noch in die Höhen ihrer Tugend und bis in denkalten Geist hinein folgt ihnen diess Gethier und seinU nfrieden.

V

78