Vorwort.
Wer Friedrich Nietzsche als Totalität zu ver-stehen und zu würdigen versucht, der wird sich gar baldvor die Nothwendigkeit gestellt sehen, sein Verhältniss zumAlterthum zu ergründen. Und Jeder, der hier auch nurbeginnt, ernstlich nachzudenken, wird den Wunsch hegen,den Philologen und Lehrer genauer kennen zu lernen,als dies bislang möglich war. Nietzsche als Philologeund Lehrer ist es, der in dieser auf drei Bände be-rechneten Abtheilung seiner Werke in ein helles Licht ge-stellt werden soll. Dass er selbst später seiner Philologen-existenz und seinen Philologica nicht viel Werth beimisst 1 ),ist dabei genau so irrelevant wie die absprechenden Urtheileüber den Philologen, denen man bei modernen Fach-männern mehrfach begegnet. Denn es sind nicht Gründefachwissenschaftlicher Art, welche diese Veröffentlichungveranlasst haben: nicht was Nietzsche für die Philologie,sondern was das Alterthum und die Alterthumswissenschaftfür Nietzsche bedeutet hat, das ist hier die Frage. Fürdas volle Verständniss seiner Entwicklung in dem Decenniumvon 1866 ab ist das Studium dieser Bände unerlässlich, undfür den grösseren Theil ihres Inhalts wird auf jenen weiterenKreis gerechnet, welcher sich für alles interessiert, wasvon Nietzsche kommt. Freilich — vom biographischenWerth abgesehen — ist mir auch der Fachmann schwer
') Es genügt, von vielen Stellen einige zu citieren: BriefeBd. III, 1, S. 299 (an Brandes), Ecce horno S. 35 f., 76.