Druckschrift 
14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

1 5 2

Fackel in der Hand, begeistert und eben über einenStein stolpernd. Wenn Wagner „denkt“, stolpert er. —

Y.

Aber der Musiker Richard Wagner? — „Wagnerund kein Ende“: das ist heute die Losung.

(Das fortsetzende Blatt fehlt.)

VI.

Aber wir Freunde der Musik sind damit am Endeunserer Geduld. Wir haben so lange die beste Mienezum bösen Spiele der Wagnerei gemacht und mit Hülfealler Tugenden und Aesthetiken uns einen ganzen langenRegentag hindurch zugeredet und ermahnt: „wie schönist auch das schlechte Wetter! Wie viel Reize liegenim Unwetter und in schwarzen Wolken versteckt! Wiefein sich der Regen auf die „unendliche Melodie“ ver-steht! Wie unvergleichlich leuchtet ein Blitz inmittenlanger, grauer Trübsal! Und gar der Donner: wie schönist die Chromatik des Donners!“ Aber endlich, endlichwollen wir auch den aufgeklärten Himmel wieder sehnund zum Mindesten den schönen Abend haben, denwir verdienen, nach einem so tugendhaften, aber so bösenTage! — Wirklich? Den Abend? Will es denn wirklichschon „Abend werden“? Geht nun auch noch unsrebeste Kunst, die Musik, auf die Neige? . . Meine Freunde,hier ist Einer, der nicht mehr daran glaubt! Es ist nochlange nicht Zeit für den Abend! Und Wagner bedeuteteweder den Tag, noch den Abend unsrer Kunst, — son-dern nur einen gefährlichen Zwischenfall, eine Ausnahmeund ein Fragezeichen, welches alle strengen Künstler-Gewissen auf die Probe gestellt hat! Noch zurrechten Zeit lernten wir Nein! sagen: jeder rechtschaffneund tiefe Musiker sagt heute Nein zu Wagner und zu