93
igo.
Weshalb es heute nöthig ist, zeitweilig grob zureden und grob zu handeln. — Etwas Feines und Ver-schwiegenes wird nicht mehr verstanden, selbst nichtvon Denen, welche uns verwandt sind. Wovon mannicht laut spricht und schreit, das ist nicht da:Schmerz, Entbehrung, Aufgabe, die lange Pflicht und diegrosse Überwindung — Keiner sieht und riecht Etwasdavon. Die Heiterkeit gilt als Zeichen des Mangels anTiefe: dass sie die Seligkeit nach allzustrenger Spannungsein kann, wer weiss es! — Man geht mit Schauspielernum und thut sich viel Zwang an, um auch da zu ehren.Aber Niemand versteht, inwiefern es mir hart und pein-lich ist, mit Schauspielern umzugehn. Oder mit einemphlegmatischen Genüssling, der Geist genug hat, um —
191.
Der ausserordentliche Mensch lernt durch Unglück,wie wenig Werth all die Würdigkeit und Ehrenhaftigkeitder ihn Beurtheilenden hat. Sie platzen, wenn man sie inihrer Eitelkeit verwundet, — ein intolerantes beschränktesVieh kommt zum Vorschein.
192.
Man muss wirklich drüber hinaus sein, sich zuärgern über die Verurtheilung durch kleine, niedrige Na-turen, — es giebt aber viel Affectation dieses „drüberhinaus“.