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14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
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Dass die blosse Stärke eines Glaubens ganz und garnoch Nichts hinsichtlich seiner Wahrheit verbürgt, jasogar im Stande ist, aus der vernünftigsten Sache lang-sam, langsam eine dicke Thorheit herauszupräpariren:dies ist unsre eigentliche Europäer-Einsicht, in ihr,wenn irgendworin, sind wir erfahren, gebrannt, gewitzigt,weise geworden, durch vielen Schaden, wie es scheint...Der Glaube macht selig: gut! Bisweilen wenigstens!Aber der Glaube macht unter allen Umständen dumm,selbst in dem seltneren Falle, dass er es nicht ist, dasser von vornherein ein kluger Glaube ist. Jeder langeGlaube wird endlich dumm: das bedeutet, mit der Deut-lichkeit unsrer modernen Psychologen ausgedrückt, seineGründe versinkenins Unbewusste, sie verschwindendarin, fürderhin ruht er nicht mehr auf Gründen, sondernauf Affecten (d. h. er lässt im Falle, dass er Hülfe nöthighat, die Affecte für sich kämpfen, und nicht mehr dieGründe). Angenommen, man könnte herausbekommen,welches der bestgeglaubte, längste, unbestrittenste, ehr-lichste Glaube ist, den es unter Menschen giebt, mandürfte mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeitmuthmaassen, dass er zugleich auch der tiefste, dümmste,unbewussteste, vor Gründen am besten vertheidigte,von Gründen am längsten verlassene Glaube sei. Zu-gegeben; aber welches ist dieser Glaube? Oh ihr Neu-gierigen! Aber nachdem ich mich einmal aufs Räthsel-Aufgeben eingelassen habe, will ichs menschlich treibenund mit der Antwort und Lösung schnell herausrücken,man wird sie mir nicht so leicht vorwegnehmen.

Der Mensch ist vor Allem ein urtheilendes Thier;im Urtheile aber liegt unser ältester und beständigster