Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

271

Ursache imaginirt wird, nachdem die Wirkung erfolgtist . . . Dasselbe gilt auch von der Abfolge der Ge-danken: wir suchen den Grund zu einem Gedanken,bevor er uns noch bewusst ist: und dann tritt zuerst derGrund und dann dessen Folge ins Bewusstsein . .. Unserganzes Träumen ist die Auslegung von Gesammt- Ge-fühlen auf mögliche Ursachen: und zwar so, dass einZustand erst bewusst wird, wenn die dazu erfundeneCausalitäts-Kette ins Bewusstsein getreten ist.

Die ganzeinnere Erfahrung beruht darauf, dasszu einer Erregung der Nerven-Centren eine Ursache ge-sucht und vorgestellt wird und dass erst die gefundeneUrsache ins Bewusstsein tritt: diese Ursache ist schlechter-dings nicht adäquat der wirklichen Ursache, es ist einTasten auf Grund der ehemaligeninneren Erfahrungen,d. h. des Gedächtnisses. Das Gedächtniss conservirt aberauch die Gewohnheit der alten Interpretationen, d. h.der irrthümlichen Ursächlichkeit, sodass dieinnereErfahrung in sich noch die Folgen aller ehemaligenfalschen Causal-Fictionen zu tragen hat. UnsereAussen-welt, wie wir sie jeden Augenblick projiciren, ist un-auflöslich gebunden an die alten Irrthümer von Gründen:wir legen sie aus mit dem Schematismus desDings u. s.w.

Dieinnere Erfahrung tritt uns ins Bewusstseinerst nachdem sie eine Sprache gefunden hat, die dasIndividuum versteht d. h. eine Übersetzung einesZustandes in ihm bekanntere Zustände:verstehendas heisst naiv bloss: etwas Neues ausdrilcken könnenin der Sprache von etwas Altem, Bekanntem. Z. B.ich befinde mich schlecht ein solches Urtheil setzteine grosse und späte Neutralität des Beobachten-den voraus: der naive Mensch sagt immer: das und dasmacht, dass ich mich schlecht befinde, er wird über