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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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Bewegung der Lippen die Worte errathen, die sie nichthören. Wir schliessen aus den Erscheinungen des innerenSinns auf sichtbare und andere Phänomene, welche wirwahrnehmen würden, wenn unsre Beobachtungsmittelzureichend wären.

Für diese innere Welt gehn uns alle feineren Organeab, sodass wir eine tausendfache Complexität nochals Einheit empfinden, sodass wir eine Causalität hinein-erfinden, wo jeder Grund der Bewegung und Veränderunguns unsichtbar bleibt, die Aufeinanderfolge von Ge-danken , von Gefühlen ist ja nur das Sichtbar-werdenderselben im Bewusstsein. Dass diese Reihenfolge irgendEtwas mit einer Causal -Verkettung zu thun habe, istvöllig unglaubwürdig: das Bewusstsein liefert uns nieein Beispiel von Ursache und Wirkung.

264.

Die ungeheuren Fehlgriffe:

1) die unsinnige Überschätzung des Bewusstseins,aus ihm eine Einheit, ein Wesen gemacht:derGeist,die Seele, Etwas, das fühlt, denkt, will

2) der Geist als Ursache, namentlich überall wo Zweck-mässigkeit, System, Coordination erscheinen;

3) das Bewusstsein als höchste erreichbare Form, alsoberste Art Sein, alsGott;

4) der Wille überall eingetragen, wo es Wirkung giebt;

5) diewahre Welt als geistige Welt, als zugänglichdurch die Bewusstseins-Thatsachen;

6) die Erkenntniss absolut als Fähigkeit des Bewusst-seins, wo überhaupt es Erkenntniss giebt.