Der Wille zur Macht als Erkenntniss.
260.
„Es wird gedacht: folglich giebt es Denkendes“:darauf läuft die Argumentation des Cartesius hinaus. Aberdas heisst, unsern Glauben an den Substanzbegriff schonals „wahr a priori“ ansetzen: — dass, wenn gedachtwird, es Etwas geben muss, „das denkt“, ist einfach eineFormulirung unserer grammatischen Gewöhnung, welchezu einem Thun einen Thäter setzt. Kurz, es wird hierbereits ein logisch - metaphysisches Postulat gemacht —und nicht nur constatirt . . . Auf dem Wege desCartesius kommt man nicht zu etwas absolut Gewissem,sondern nur zu einem Factum eines sehr starkenGlaubens.
Reducirt man den Satz auf „es wird gedacht, folg-lich giebt es Gedanken“, so hat man eine blosse Tauto-logie: und gerade Das, was in Frage steht, „die Realitätdes Gedankens“, ist nicht berührt, — nämlich in dieserForm ist die „Scheinbarkeit“ des Gedankens nicht ab-zuweisen. Was aber Cartesius wollte, ist, dass der Ge-danke nicht nur eine scheinbare Realität hat, sondernan sich.