I.
Die Religion als Ausdruck der decadence.
i. Allgemeines.
87.
Vom Ursprung der Religion. — In derselbenWeise, in der jetzt noch der ungebildete Mensch daranglaubt, der Zorn sei die Ursache davon, wenn er zürnt,der Geist davon, dass er denkt, die Seele davon, dass erfühlt, kurz, so wie auch jetzt noch unbedenklich eineMasse von psychologischen Entitäten angesetzt wird,welche Ursachen sein sollen: so hat der Mensch auf einernoch naiveren Stufe eben dieselben Erscheinungen mitHülfe von psychologischen Personal-Entitäten erklärt.Die Zustände, die ihm fremd, hinreissend, überwältigendschienen, legte er sich als Obsession und Verzauberungunter der Macht einer Person zurecht. So führt derChrist, die heute am meisten naive und zurückgebildete ArtMensch, die Hoffnung, die Ruhe, das Gefühl der „Er-lösung“ auf ein psychologisches Inspiriren Gottes zurück:bei ihm, als einem wesentlich leidenden und beunruhigtenTypus, erscheinen billigerweise die Glücks-, Ergebungs-und Ruhegefühle als das Fremde, als das der ErklärungBedürftige. Unter klugen, starken und lebensvollenRassen erregt am meisten der Epileptische die Über-