Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

12 .

Hauptgesichtspunkt: dass man nicht dieAufgabeder höheren Species in der Leitung der niederen sieht(wie es z. B. Comte macht —), sondern die niedere alsBasis, auf der eine höhere Species ihrer eigenen Auf-gabe lebt, — auf der sie erst stehen kann.

Die Bedingungen, unter denen eine starke undvornehme Species sich erhält (in Hinsicht auf geistigeZucht), sind die umgekehrten von denen, unter welchendie „industriellen Massen“, die Krämer a la Spencerstehn.

Das, was nur den stärksten und fruchtbarstenNaturen freisteht zur Ermöglichung ihrer Existenz— Müsse, Abenteuer, Unglaube, Ausschweifung selbst —,das würde, wenn es den mittleren Naturen freistünde,diese nothwendig zu Grunde richten — und thut es auch.Hier ist die Arbeitsamkeit, die Regel, die Massigkeit,die feste „Überzeugung“ am Platze, kurz die „Heerden-tugenden“: unter ihnen wird diese mittlere Art Menschvollkommen.

Ursachen des Nihilismus: i) es fehlt die

höhere Species, d. h. die, deren unerschöpflicheFruchtbarkeit und Macht den Glauben an den Menschenaufrecht erhält. (Man denke, was man Napoleon ver-dankt: fast alle höheren Hoffnungen dieses Jahrhunderts.)

2) die niedere Species, „Heerde“, „Masse“, „Ge- tSeilschaft“, verlernt die Bescheidenheit und bauscht ihre!Bedürfnisse zu kosmischen und metaphysischen |Werthen auf. Dadurch wird das ganze Dasein vul-garisirt: insofern nämlich die Masse herrscht, tyrannisirtsie die Ausnahmen, sodass diese den Glauben an sichverlieren und Nihilisten werden.