XI
Ausser dem „Fall Wagner“ wurde nun aber imSommer 1888 auch noch die „Götzendämmerung“ demStoff des grossen Hauptwerkes entnommen. Diese Schriftwurde in kürzester Zeit ausgearbeitet und zusammen-gestellt und steht im engsten Zusammenhang zu demgesammten Material der „Umwerthung“. In einer Auf-zeichnung nennt Nietzsche sie einen „Auszug seinerPhilosophie“, den sie auch wirklich in gedrängter Formdarstellt.
Nach der Vollendung der „Götzendämmerung“ giebtNietzsche den Gedanken auf, sein philosophisch-theoretischesHauptwerk vier Bände umfassen zu lassen und versucht,den ungeheuren Stoff zu comprimiren und in vier nur wenigumfangreiche Bücher zusammen zu drängen. Dieser neuePlan wird im September 1888 in Angriff genommen und daserste Buch davon in wenigen Wochen vollendet. Die vierBücher dieses letzten Planes der „Umwerthung allerWerthe“nannte Nietzsche: I. Buch. Der Antichrist, Versuch einerKritik des Christenthums; II. Buch. Der freie Geist, Kritikder Philosophie als einer nihilistischen Bewegung; III. Buch.Der Immoralist, Kritik der verhängnissvollsten Art vonUnwissenheit, der Moral; IV. Buch. Dionysos, Philosophieder Ewigen Wiederkunft. Zur weiteren Ausführung dieses,in seinen Absichten ziemlich veränderten Planes ist Nietzschenicht gekommen; nur zu dem dritten Buche, „der Immo-ralist“, giebt es einige Aufzeichnungen, die gesondert imAnhang gedruckt sind. Man sieht aus ihnen, dass in diesemWerke Positives und Negatives nirgends getrennt werdensollte, dass Letzteres aber wohl stärker betont worden wäre.
In den ersten Tagen des Jahres 1889 traf Nietzscheinfolge der geistigen Überanstrengung und des über-