XI
lernte und ich immer von Neuem wieder in der Anfänger-Lehre umzulernen hatte, dass die Menschen ihre Gewohn-heiten hunterttausend Mal wichtiger nehmen, als selbst— ihren Vortheil . . .“
Trotz der Veröffentlichung jener oben angeführtenvier Schriften liegt doch aus den Jahren 1883—88 (vor-züglich vom Winter 1882/83 bis Frühjahr 1886) eineÜberfülle noch nicht verwendeten Materials vor. Nietzscheliebt es nicht, zu einer neuen Schrift frühere Niederschriftenin grösserer Anzahl mit zu verwenden, und wenn er esthut, arbeitet er sie vollständig um. Für sein unglaublichfeines Ohr hatten Aufzeichnungen, die nicht der gleichenZeit angehörten und das gleiche Ziel verfolgten, immereinen andern Rhythmus, eine andere Klangfarbe; soschuf er sich für jede dieser Schriften, nach ihrer ver-änderten Bestimmung, einen neuen und anderen Stil.Man vergleiche doch die plastische Ruhe, die lächelndeSkepsis, „die raffinirte Neutralität“ des Stiles von „Jenseitsvon Gut und Böse“ mit der schärferen und bewegtenTonart, dem „allegro feroce “ der Genealogie, vor allemaber mit den leidenschaftlichen Anklagen des „FallsWagner“ und des „Antichrist“. Hier wendet sich derAutor gegen das Liebste und Höchste, — sein Stil zittertvon der Erregung des Kampfes, trotzdem der Kämpferso fest und schneidend die blitzende Klinge handhabt.Er selbst hat sich immer dagegen gewehrt, dass dieKritiker seinen Stil im Allgemeinen beurtheilen; siesollten von dem Stile jedes Buches reden, inwiefern ergerade als Ausdruck des Inhaltes, als „Mittheilung einesZustandes, einer inneren Spannung des Pathos“ gelungenist. Er schreibt über einen Kritiker, der es versuchthatte ihn zu beurtheilen: „Es fehlt nicht an Übereilungen,es verräth sich, dass er diese Bücher zum ersten Mal