Druckschrift 
1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
Seite
559
Einzelbild herunterladen
 

— 559 —

auf der Seite Derer, welchen er seinen kostbarstenBesitz anvertrauen wollte, ein erhöhteres Gefühl vonPflicht erwachen zu sehen: •— aus dieser Doppelseitig-keit von Pflichten erwuchs das Ereigniss, welches wie'ein fremdartiger Sonnenglanz auf der letzten und näch-sten Reihe von Jahren liegt: zum Heile einer fernen,einer nur möglichen, aber unbeweisbaren Zukunft aus-gedacht, für die Gegenwart und die nur gegenwärtigenMenschen nicht viel mehr als ein Räthsel oder einGreuel, für die Wenigen, die an ihm helfen durften, einVorgenuss, ein Vorausleben der höchsten Art, durchwelches sie weit über ihre Spanne Zeit sich beseligt,beseligend und fruchtbar wissen, für Wagner selbst eineVerfinsterung von Mühsal, Sorge, Nachdenken, Gram,ein erneutes Wüthen der feindseligen Elemente, aberAlles überstrahlt von dem Sterne der selbstlosenTreue, und in diesem Lichte zu einem unsäglichenGlücke umgewandelt!

Man braucht es kaum auszusprechen: es liegt derHauch des Tragischen auf diesem Leben. Und Jeder,der aus seiner eignen Seele Etwas davon ahnen kann,Jeder, für den der Zwang einer tragischen Täuschungüber das Lebensziel, das Umbiegen und Brechen derAbsichten, das Verzichten und Gereinigt-werden durchLiebe keine ganz fremden Dinge sind, muss in Dem,was Wagner uns jetzt im Kunstwerke zeigt, ein traum-haftes Zurückerinnern an das eigne heldenhafte Daseindes grossen Menschen fühlen. Ganz von ferne her wirduns zu Muthe sein, als ob Siegfried von seinen Thatenerzählte: im rührendsten Glück des Gedenkens webt dietiefe Trauer des Spätsommers, und alle Natur liegt stillin gelbem Abendlichte. —

: : 1

li : -

y j

0

IM :

r. 1 «r