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einziges Gegenurtheil irgend eines andern grossen Philo-sophen aus derselben grossen Zeit widersprochen wird.Er spricht nur am deutlichsten, aber im Grunde — näm-lich, wenn man seine Ohren etwas aufmacht, sagen siealle dasselbe. Ein moderner Denker wird, wie gesagt,immer an einem unerfüllten Wunsche leiden: er wird ver-langen, dass man ihm erst wieder Leben, wahres, rothes,gesundes Leben zeige, damit er dann darüber seinenRichterspruch fälle. Wenigstens für sich selbst wird eres für nöthig halten, ein lebendiger Mensch zu sein, bevorer glauben darf, ein gerechter Richter sein zu können.Hier ist der Grund, weshalb gerade die neueren Philo-sophen zu den mächtigsten Lörderern des Lebens, desWillens zum Leben gehören, und weshalb sie sich ausihrer ermatteten eignen Zeit nach einer Cultur, nach einerverklärten Physis sehnen. Diese Sehnsucht ist aber auchihre Gefahr: in ihnen kämpft der Reformator des Lebensund der Philosoph, das heisst: der Richter des Lebens.Wohin sich auch der Sieg neige, es ist ein Sieg, der einenVerlust in sich schliessen wird. Und wie entgieng nunSchopenhauer auch dieser Gefahr?
Wenn jeder grosse Mensch auch am liebsten geradeals das ächte Land seiner Zeit angesehn wird und jeden-falls an allen ihren Gebresten stärker und empfindlicherleidet als alle kleineren Menschen, so ist der Kampf einessolchen Grossen gegen seine Zeit scheinbar nur ein un-sinniger und zerstörender Kampf gegen sich selbst. Abereben nur scheinbar; denn in ihr bekämpft er das, was ihnhindert, gross zu sein, das bedeutet bei ihm nur: frei undganz er selbst zu sein. Daraus folgt, dass seine Leind-schaft im Grunde gerade gegen das gerichtet ist, was zwaran ihm selbst, was aber nicht eigentlich er selbst ist,nämlich gegen das unreine Durch- und Nebeneinander