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eine ganz intrikat gesponnene Leinewand, und Farbendarauf, die chemisch unergründlich seien. Man muss denMaler errathen, um das Bild zu verstehen, — das wussteSchopenhauer. Nun ist aber die ganze Zunft aller Wissen-schaften darauf aus, jene Leinewand und jene Farben,aber nicht das Bild zu verstehen; ja man kann sagen, dassnur der, welcher das allgemeine Gemälde des Lebens undDaseins fest in’s Auge gefasst hat, sich der einzelnenWissenschaften ohne eigne Schädigung bedienen wird,denn ohne ein solches regulatives Gesammtbild sind sieStricke, die nirgends an’s Ende führen und unsern Lebens-lauf nur noch verwirrter und labyrinthischer machen.Hierin, wie gesagt, ist Schopenhauer gross, dass er jenemBilde nachgeht wie Hamlet dem Geiste, ohne sich ab-ziehn zu lassen, wie Gelehrte thun, oder durch begrifflicheScholastik abgesponnen zu werden, wie es das Loos derungebändigten Dialektiker ist. Das Studium aller Viertels-philosophen ist nur deshalb anziehend, um zu erkennen,dass diese sofort auf die Stellen im Bau grosser Philo-sophien gerathen, wo das gelehrtenhafte Für und Wider,wo Grübeln, Zweifeln, Widersprechen erlaubt ist, und dasssie dadurch der Forderung jeder grossen Philosophie ent-gehen, die als Ganzes immer nur sagt: dies ist das Bildalles Lebens, und daraus lerne den Sinn deines Lebens.
Und umgekehrt: lies nur dein Leben und verstehe darausdie Hieroglyphen des allgemeinen Lebens. Und so sollauch Schopenhauer’s Philosophie immer zuerst ausgelegtwerden: individuell, vom Einzelnen allein für sich selbst,um Einsicht in das eigne Elend und Bedürfniss, in dieeigne Begrenztheit zu gewinnen, um die Gegenmittel undTröstungen kennen zu lernen: nämlich Hinopferung desIch’s, Unterwerfung unter die edelsten Absichten, vorallem unter die der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Er V