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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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art sagen kann, so beziehe ich auf ihn seinen SatzeinPhilosoph muss sehr ehrlich sein, um sich keiner poetischenoder rhetorischen Hülfsmittel zu bedienen. Dass Ehrlich-keit etwas ist und sogar eine Tugend, gehört freilich imZeitalter der öffentlichen Meinungen zu den privatenMeinungen, welche verboten sind; und deshalb werde ichSchopenhauer nicht gelobt, sondern nur charakterisirthaben, wenn ich wiederhole: er ist ehrlich, auch als Schrift-steller; und so wenige Schriftsteller sind es, dass maneigentlich gegen alle Menschen, welche schreiben, miss-trauisch sein sollte. Ich weiss nur noch einen Schrift-steller, den ich in Betreff der Ehrlichkeit Schopenhauergleich, ja noch höher stelle: das ist Montaigne. Dass einsolcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlichdie Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden.Mir wenigstens geht es seit dem Bekanntwerden mitdieser freiesten und kräftigsten Seele so, dass ich sagenmuss, was er von Plutarch sagt:kaum habe ich einenBlick auf ihn geworfen, so ist mir ein Bein oder einFlügel gewachsen. Mit ihm würde ich es halten, wenndie Aufgabe gestellt wäre, es sich auf der Erde heimischzu machen.

Schopenhauer hat mit Montaigne noch eine zweiteEigenschaft, ausser der Ehrlichkeit, gemein: eine wirklicheerheiternde Heiterkeit. Aliis laetus , sibi sapiens. Es giebtnämlich zwei sehr unterschiedene Arten von Heiterkeit.Der wahre Denker erheitert und erquickt immer, ob ernun seinen Ernst oder seinen Scherz, seine menschlicheEinsicht oder seine göttliche Nachsicht ausdrückt; ohnegriesgrämige Gebärden, zitternde Hände, schwimmendeAugen, sondern sicher und einfach, mit Muth und Stärke,vielleicht etwas ritterlich und hart, aber jedenfalls als einSiegender: und das gerade ist es, was am tiefsten und