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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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3 So

Wenn er nur darin leben könnte! Wie die Städtebei einem Erdbeben einstürzen und veröden, und derMensch nur zitternd und flüchtig sein Haus auf vulka-nischem Grunde aufführt, so bricht das Leben selbst insich zusammen und wird schwächlich und muthlos, wenndas Begriffsbeben, das die Wissenschaft erregt, demMenschen das Fundament aller seiner Sicherheit undRuhe, den Glauben an das Beharrliche und Ewige, nimmt.Soll nun das Leben über das Erkennen, über die Wissen-schaft, soll das Erkennen über das Leben herrschen?Welche von beiden Gewalten ist die höhere und ent-scheidende? Niemand wird zweifeln: das Leben ist diehöhere, die herrschende Gewalt, denn ein Erkennen, wel-ches das Leben vernichtete, würde sich selbst mit ver-nichtet haben. Das Erkennen setzt das Leben voraus,hat also an der Erhaltung des Lebens dasselbe Interesse,welches jedes Wesen an seiner eignen Fortexistenz hat.So bedarf die Wissenschaft einer höheren Aufsicht undÜberwachung; eine Gesundheitslehre des Lebensstellt sich dicht neben die Wissenschaft; und ein Satzdieser Gesundheitslehre würde eben lauten: das Unhisto-rische und das Überhistorische sind die natürlichen Ge-genmittel gegen die Überwucherung des Lebens durchdas Historische, gegen die historische Krankheit. Es istwahrscheinlich, dass wir, die Historisch-Kranken, auchan den Gegenmitteln zu leiden haben. Aber dass wiran ihnen leiden, ist kein Beweis gegen die Richtigkeitdes gewählten Heilverfahrens.

Und hier erkenne ich die Mission jener Jugend,jenes ersten Geschlechtes von Kämpfern und Schlangen-tödtern, das einer glücklicheren und schöneren Bildungund Menschlichkeit voranzieht, ohne von diesem zukünf-tigen Glücke und der einstmaligen Schönheit mehr zu