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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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heit aber ist werth, verurtheilt zu werden, denn sosteht es nun einmal mit den menschlichen Dingen:immer ist in ihnen menschliche Gewalt und Schwächemächtig gewesen. Es ist nicht die Gerechtigkeit, diehier zu Gericht sitzt; es ist noch weniger die Gnade,die hier das Urtheil verkündet: sondern das Lebenallein, jene dunkle, treibende, unersättlich sich selbstbegehrende Macht. Sein Spruch ist immer ungnädig,I immer ungerecht, weil er nie aus einem reinen Borneder Erkenntniss geflossen ist; aber in den meisten Fällenwürde der Spruch ebenso ausfallen, wenn ihn die Gerech-tigkeit selber spräche.Denn Alles, was entsteht, istwerth, dass es zu Grunde geht. Drum besser wärs,dass nichts entstünde. Es gehört sehr viel Kraft dazu,leben zu können und zu vergessen, in wie fern lebenund ungerecht sein Eins ist. Luther selbst hat einmalgemeint, dass die Welt nur durch eine VergesslichkeitGottes entstanden sei; wenn Gott nämlich an dasschwereGeschütz gedacht hätte, er würde die Welt nicht ge-schaffen haben. Mitunter aber verlangt eben dasselbeLeben, das die Vergessenheit braucht, die zeitweiligeVernichtung dieser Vergessenheit; dann soll es ebengerade klar werden, wie ungerecht die Existenz irgendeines Dinges, eines Privilegiums, einer Kaste, einer Dy-nastie zum Beispiel, ist, wie sehr dieses Ding den Unter-gang verdient. Dann wird seine Vergangenheit kritischbetrachtet, dann greift man mit dem Messer an seineWurzeln, dann schreitet man grausam über alle Pietätenhinweg. Es ist immer ein gefährlicher, nämlich für dasLeben selbst gefährlicher Prozess: und Menschen oderZeiten, die auf diese Weise dem Leben dienen, dass sieeine Vergangenheit richten und vernichten, sind immergefährliche und gefährdete Menschen und Zeiten. Denn