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Maasse und Proportionen der Dinge zu dem antiquarischrückwärts blickenden Einzelnen oder Volke.
Hier ist immer eine Gefahr sehr in der Nähe: end-lich wird einmal alles Alte und Vergangne, das über-haupt noch in den Gesichtskreis tritt, einfach als gleichehrwürdig hingenommen, alles aber, was diesem Altennicht mit Ehrfurcht entgegen kommt, also das Neue undWerdende, abgelehnt und angefeindet. So duldeten selbstdie Griechen den hieratischen Stil ihrer bildenden Künsteneben dem freien und grossen, ja sie duldeten später diespitzen Nasen und das frostige Lächeln nicht nur, sondernmachten selbst eine Feinschmeckerei daraus. Wenn sichder Sinn eines Volkes derartig verhärtet, wenn die Historiedem vergangnen Leben so dient, dass sie das Weiter-leben und gerade das höhere Leben untergräbt, wennder historische Sinn das Leben nicht mehr conservirt,sondern mumisirt: so stirbt der Baum, unnatürlicherWeise, von oben allmählich nach der Wurzel zu ab —und zuletzt geht gemeinhin die Wurzel selbst zu Grunde.Die antiquarische Historie entartet selbst in dem Augen-blicke, in dem das frische Leben der Gegenwart sie nichtmehr beseelt und begeistert. Jetzt dorrt die Pietät ab,die gelehrtenhafte Gewöhnung besteht ohne sie fort unddreht sich egoistisch-selbstgefällig um ihren eignen Mittel-punkt. Dann erblickt man wohl das widrige Schauspieleiner blinden Sammelwuth, eines rastlosen Zusammen-scharrens alles einmal Dagewesenen. Der Mensch hülltsich in Moderduft; es gelingt ihm, selbst eine bedeuten-dere Anlage, ein edleres Bedürfniss durch die antiquarischeManier zu unersättlicher Neubegier, richtiger Alt- undAllbegier herabzustimmen; oftmals sinkt er so tief, dasser zuletzt mit jeder Kost zufrieden ist und mit Lust selbstden Staub bibliographischer Quisquilien frisst.