295 —
entspricht eine Dreiheit von Arten der Historie: sofernes erlaubt ist, eine monumentalische, eine anti-quarische und eine kritische Art der Historie zuunterscheiden.
Die Geschichte gehört vor Allem dem Thätigen undMächtigen, dem, der einen grossen Kampf kämpft, derVorbilder, Lehrer, Tröster braucht und sie unter seinenGenossen und in der Gegenwart nicht zu finden vermag.So gehörte sie Schillern: denn unsre Zeit ist so schlecht,sagte Goethe, dass dem Dichter im umgebenden mensch-lichen Leben keine brauchbare Natur mehr begegnet.Mit der Rücksicht auf den Thätigen nennt zum BeispielPolybius die politische Historie die rechte Vorbereitungzur Regierung eines Staates und die vorzüglichste Lehr-meisterin, als welche durch die Erinnerung an die UnfälleAnderer uns ermahne, die Abwechslungen des Glückesstandhaft zu ertragen. Wer hierin den Sinn der Historiezu erkennen gelernt hat, den muss es verdriessen, neu-gierige Reisende oder peinliche Mikrologen auf den Pyra-miden grosser Vergangenheiten herumklettern zu sehen;dort, wo er die Anreizungen zum Nachmachen und Besser-machen findet, wünscht er nicht dem Müssiggänger zubegegnen, der, begierig nach Zerstreuung oder Sensation,wie unter den gehäuften Bilderschätzen einer Galerieherumstreicht. Dass der Thätige mitten unter den schwäch-lichen. und hoffnungslosen Müssiggängern, mitten unterden scheinbar thätigen, in Wahrheit nur aufgeregten undzappelnden Genossen nicht verzage und Ekel empfinde,blickt er hinter sich und unterbricht den Lauf zu seinemZiele, um einmal aufzuathmen. Sein Ziel aber ist irgendein Glück, vielleicht nicht sein eignes, oft das einesVolkes oder das der Menschheit insgesammt; er fliehtvor der Resignation zurück und gebraucht die Geschichte