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Hier bringt nun Jeder zunächst eine Beobachtungmit: das historische Wissen und Empfinden eines Men-schen kann sehr beschränkt, sein Horizont eingeengtwie der eines Alpenthal-Bewohners sein, in jedes Urtheilmag er eine Ungerechtigkeit, in jede Erfahrung denIrrthum legen, mit ihr der Erste zu sein, — und trotzaller Ungerechtigkeit und allem Irrthum steht er dochin unüberwindlicher Gesundheit und Rüstigkeit da underfreut jedes Auge; während dicht neben ihm der beiweitem Gerechtere und Belehrtere kränkelt und zu-sammenfällt, weil die Linien seines Horizontes immervon Neuem unruhig sich verschieben, weil er sich ausdem viel zarteren Netze seiner Gerechtigkeiten und Wahr-heiten nicht wieder zum derben Wollen und Begehrenherauswinden kann. Wir sahen dagegen das Thier, dasganz unhistorisch ist und beinahe innerhalb eines punkt-artigen Horizontes wohnt und doch in einem gewissenGlücke, wenigstens ohne Überdruss und Verstellunglebt; wir werden also die Fähigkeit, in einem bestimmtenGrade unhistorisch empfinden zu können, für die wich-tigere und ursprünglichere halten müssen, insofern in ihrdas Fundament liegt, auf dem überhaupt erst etwasRechtes, Gesundes und Grosses, etwas wahrhaft Mensch-liches wachsen kann. Das Unhistorische ist einer um-hüllenden Atmosphäre ähnlich, in der sich Leben alleinerzeugt, um mit'der Vernichtung dieser Atmosphäre wie-der zu verschwinden. Es ist wahr: erst dadurch, dassder Mensch denkend, überdenkend, vergleichend, trennend,zusammenschliessend jenes unhistorische Element ein-schränkt, erst dadurch, dass innerhalb jener umschliessen-den Dunstwolke ein heller, blitzender Lichtschein entsteht,— also erst durch die Kraft, das Vergangene zumLeben zu gebrauchen und aus dem Geschehenen wieder