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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Hier bringt nun Jeder zunächst eine Beobachtungmit: das historische Wissen und Empfinden eines Men-schen kann sehr beschränkt, sein Horizont eingeengtwie der eines Alpenthal-Bewohners sein, in jedes Urtheilmag er eine Ungerechtigkeit, in jede Erfahrung denIrrthum legen, mit ihr der Erste zu sein, und trotzaller Ungerechtigkeit und allem Irrthum steht er dochin unüberwindlicher Gesundheit und Rüstigkeit da underfreut jedes Auge; während dicht neben ihm der beiweitem Gerechtere und Belehrtere kränkelt und zu-sammenfällt, weil die Linien seines Horizontes immervon Neuem unruhig sich verschieben, weil er sich ausdem viel zarteren Netze seiner Gerechtigkeiten und Wahr-heiten nicht wieder zum derben Wollen und Begehrenherauswinden kann. Wir sahen dagegen das Thier, dasganz unhistorisch ist und beinahe innerhalb eines punkt-artigen Horizontes wohnt und doch in einem gewissenGlücke, wenigstens ohne Überdruss und Verstellunglebt; wir werden also die Fähigkeit, in einem bestimmtenGrade unhistorisch empfinden zu können, für die wich-tigere und ursprünglichere halten müssen, insofern in ihrdas Fundament liegt, auf dem überhaupt erst etwasRechtes, Gesundes und Grosses, etwas wahrhaft Mensch-liches wachsen kann. Das Unhistorische ist einer um-hüllenden Atmosphäre ähnlich, in der sich Leben alleinerzeugt, um mit'der Vernichtung dieser Atmosphäre wie-der zu verschwinden. Es ist wahr: erst dadurch, dassder Mensch denkend, überdenkend, vergleichend, trennend,zusammenschliessend jenes unhistorische Element ein-schränkt, erst dadurch, dass innerhalb jener umschliessen-den Dunstwolke ein heller, blitzender Lichtschein entsteht, also erst durch die Kraft, das Vergangene zumLeben zu gebrauchen und aus dem Geschehenen wieder