VORWORT.
„Übrigens ist mir Alles verhasst, was mich blossbelehrt, ohne meine Thätigkeit zu vermehren oder un-mittelbar zu beleben.“ Dies sind Worte Goethe’s, mitdenen, als mit einem herzhaft ausgedrückten Ceterum.censeo, unsere Betrachtung über den Werth und denUnwerth der Historie beginnen mag. In derselben sollnämlich dargestellt werden, warum Belehrung ohne Be-lebung, warum Wissen, bei dem die Thätigkeit erschlafft,warum Historie als kostbarer Erkenntniss-Überfluss undLuxus uns ernstlich, nach Goethe’s Wort, verhasst seinmuss — deshalb, weil es uns noch am Nothwendigstenfehlt, und weil das Überflüssige der Feind des Noth-wendigen ist. Gewiss, wir brauchen die Historie, aber wirbrauchen sie anders, als sie der verwöhnte Müssiggängerim Garten des Wissens braucht, mag derselbe auch vor-nehm auf unsere derben und anmuthlosen Bedürfnisseund Nöthe herabsehen. Das heisst, wir brauchen sie zumLeben und zur That, nicht zur bequemen Abkehr vomLeben und von der That, oder gar zur Beschönigung desselbstsüchtigen Lebens und der feigen und schlechtenThat. Nur soweit die Historie dem Leben dient, wollenwir ihr dienen: aber es giebt einen Grad, Historie zu