heiten in der Tragödie und von der sowohl apollinischenals dionysischen Erregung des Zuhörers unsere Ästhetikernichts zu berichten, während sie nicht müde werden, denKampf des Helden mit dem Schicksal, den Sieg dersittlichen Weltordnung oder eine durch die Tragödiebewirkte Entladung von Affecten als das eigentlichTragische zu charakterisiren: welche UnVerdrossenheitmich auf den Gedanken bringt, sie möchten überhauptkeine ästhetisch erregbaren Menschen sein und beimAnhören der Tragödie vielleicht nur als moralischeWesen in Betracht kommen. Noch nie, seit Aristoteles,ist eine Erklärung der tragischen Wirkung gegebenworden, aus der auf künstlerische Zustände, auf eineästhetische Thätigkeit der Zuhörer geschlossen werdendürfte. Bald soll Mitleid und Furchtsamkeit durch dieernsten Vorgänge zu einer erleichternden Entladung ge-drängt werden, bald sollen wir uns bei dem Sieg guterund edler Principien, bei der Aufopferung des Heldenim Sinne einer sittlichen Weltbetrachtung erhoben undbegeistert fühlen; und so gewiss ich glaube, dass fürzahlreiche Menschen gerade das und nur das die Wir-kung der Tragödie ist, so deutlich ergiebt sich daraus,dass diese alle, sammt ihren interpretirenden Ästhetikern,von der Tragödie als einer höchsten Kunst nichtserfahren haben. Jene pathologische Entladung, dieKatharsis des Aristoteles, von der die Philologen nichtrecht wissen, ob sie unter die medicinischen oder diemoralischen Phänomene zu rechnen sei, erinnert an einemerkwürdige Ahnung Goethe’s. „Ohne ein lebhaftes patho-logisches Interesse“, sagt er, „ist es auch mir niemalsgelungen, irgend eine tragische Situation zu bearbeiten,und ich habe sie daher lieber vermieden als aufgesucht.Sollte es wohl auch einer von den Vorzügen der
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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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156
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