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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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dieser Heiterkeit int* Zustande ungefährdeten Behagensauf allen Wegen und Stegen der Gegenwart antreffen.

Die leidvollste Gestalt der griechischen Bühne, derunglückselige Ödipus, ist von Sophokles als der edleMensch verstanden worden, der zum Irrthum und zumElend trotz seiner Weisheit bestimmt ist, der aber amEnde durch sein ungeheures Leiden eine magische segens-reiche Kraft um sich ausübt, die noch über sein Ver-scheiden hinaus wirksam ist. Der edle Mensch sündigtnicht, will uns der tiefsinnige Dichter sagen: durch seinHandeln mag jedes Gesetz, jede natürliche Ordnung, jadie sittliche Welt zu Grunde gehen, eben durch diesesHandeln wird ein höherer magischer Kreis von Wirkungengezogen, die eine neue Welt auf den Ruinen der um-gestürzten alten gründen. Das will uns der Dichter,insofern er zugleich religiöser Denker ist, sagen: alsDichter zeigt er uns zuerst einen wunderbar geschürztenProzessknoten, den der Richter langsam, Glied für Glied,zu seinem eigenen Verderben löst; die echt hellenischeFreude an dieser dialektischen Lösung ist so gross, dasshierdurch ein Zug von überlegener Heiterkeit überdas ganze Werk kommt, der den schauderhaften Vor-aussetzungen jenes Prozesses überall die Spitze abbricht.ImÖdipus auf Kolonos treffen wir diese selbe Heiter-keit, aber in eine unendliche Verklärung emporgehoben;dem vom Übermaasse des Elends betroffenen Greisegegenüber, der allem, was ihn betrifft, rein als Leiden-der preisgegeben ist steht die überirdische Heiterkeit,die aus göttlicher Sphäre herniederkommt und uns an-deutet, dass der Held in seinem rein passiven Verhaltenseine höchste Activität erlangt, die weit über sein Lebenhinausgreift, während sein bewusstes Tichten und Trach-ten im früheren Leben ihn nur zur Passivität geführt