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farbig und gespenstisch eben diese ihre „Gesundheit“ sichausnimmt, wenn an ihnen das glühende Leben dionysischerSchwärmer vorüberbraust.
Unter dem Zauber des Dionysischen schliesst sichnicht nur der Bund z wischen Mensch und M ensch wiederzusammen: auch die entfremdete, feindliche oder unter-jochte Natur feigrt „wieder ihr Versöhnungsfest mit ihremverlorenen Sohne, dem Menschen. Freiwillig beut die Erdeihre Gaben, und friedfertig nahen die Raubthiere derFelsen und der Wüste. Mit Blumen und Kränzen ist derWagen des Dionysus überschüttet: unter seinem Jocheschreiten Panther und Tiger. Man verwandele das Beet-hoven’sche Jubellied der „Freude“ in ein Gemälde undbleibe mit seiner Einbildungskraft nicht zurück, wenn dieMillionen schauervoll in den Staub sinken: so kann mansich dem Dionysischen nähern. Jetzt ist der Sklave freierMann, jetzt zerbrechen alle die starren, feindseligen Ab-grenzungen, die Noth, Willkür oder „freche Mode“ zwischenden Menschen festgesetzt haben. Jetzt, bei dem Evan-gelium der Weltenharmonie, fühlt sich Jeder mit seinemNächsten nicht nur vereinigt, versöhnt, verschmolzen,sondern Eins, als ob der Schleier der Maja zerrissen wäreund nur noch in Fetzen vor dem geheimnissvollen Ur-Einen herumflattere. Singend und tanzend äussert sichder Mensch als Mitglied einer höheren Gemeinsamkeit:er hat das Gehen und das Sprechen verlernt und ist aufdem Wege, tanzend in die Lüfte emporzufliegen. Ausseinen Gebärden spricht die Verzauberung. Wie jetzt dieThiere reden, und die Erde Milch und Honig giebt, sotönt auch aus ihm etwas Übernatürliches: als Gott fühlter sich, er selbst wandelt jetzt so verzückt und erhoben,wie er die Götter im Traume wandeln sah. Der Menschist nicht mehr Künstler, er ist Kunstwerk geworden: die