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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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4? manches Zeugniss und die Aussprüche der Dichter beizu-

bringen hätte. Der philosophische Mensch hat sogar dasVorgefühl, dass auch unter dieser Wirklichkeit, in der wirleben und sind, eine zweite ganz andre verborgen liege,dass also auch sie ein Schein sei; und Schopenhauer be-zeichnet geradezu die Gabe, dass Einem zu Zeiten dieMenschen und alle Dinge als blosse Phantome oder Traum-bilder Vorkommen, als das Kennzeichen philosophischerBefähigung. Wie nun der Philosoph zur Wirklichkeit desDaseins, so verhält sich der künstlerisch erregbare Menschzur Wirklichkeit des Traumes; er sieht genau und gernzu: denn aus diesen Bildern deutet er sich das Leben,an diesen Vorgängen übt er sich für das Leben. Nichtetwa nur die angenehmen und freundlichen Bilder sindes, die er mit jener Allverständlichkeit an sich erfährt:auch das Ernste, Trübe, Traurige, Finstere, die plötzlichenHemmungen, die Neckereien des Zufalls, die bänglichenErwartungen, kurz die ganzegöttliche Komödie desLebens, mit dem Inferno, zieht an ihm vorbei, nicht nurwie ein Schattenspiel denn er lebt und leidet mitin diesen Scenen und doch auch nicht ohne jeneflüchtige Empfindung des Scheins; und vielleicht erinnertsich Mancher, gleich mir, in den Gefährlichkeiten undSchrecken des Traumes sich mitunter ermuthigend undmit Erfolg zugerufen zu haben:Es ist ein Traum! Ichwill ihn weiter träumen! Wie man mir auch von Per-sonen erzählt hat, die die Causalität eines und desselbenTraumes über drei und mehr aufeinanderfolgende Nächtehin fortzusetzen im Stande waren: Thatsachen, welchedeutlich Zeugniss dafür abgeben, dass unser innerstesWesen, der gemeinsame Untergrund von uns allen, mittiefer Lust und freudiger Nothwendigkeit den Traum ansich erfährt.