Druckschrift 
1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

I

Wir werden viel für die ästhetische Wissenschaftgewonnen haben, wenn wir nicht nur zur logischenEinsicht, sondern zur unmittelbaren Sicherheit der An-schauung gekommen sind, dass die Fortentwickelung derKunst an die Duplicität des Apol linischen und de sDion ysischen gebunden ist: in ähnlicherWeise, wie dieGeneration von der Zweiheit der Geschlechter, bei fort-währendem Kampfe und nur periodisch eintretenderVersöhnung, abhängt. Diese Namen entlehnen wir vonden Griechen, welche di e tiefsinnigen Geheimlehren ihrerKunstanschauung zwar nicht in Begriffen^ aber m deneindringlich deutlichen Gestalten ihrer Götterwelt demEinsichtigen vernehmbar machen. An ihre beiden Kunst-g'ottheitenj^^ol^o^ppd^EÜQnysus, knüpft sich unsere Er-kenntniss, dass in der griechischen Welt ein ungeheure**Gegensatz, nach Ursprung und Zielen, zwischen der Kunsdes Bildners, der apollinischen, und der unbildlichen Kunsder Musik, als der des Dionysus, besteht: beide so verschiedne Triebe gehen neben einander her, zumeist imoffnen Zwiespalt mit einander und sich gegenseitig zuimmer neuen kräftigeren Geburten reizend, um in ihnenden Kampf jenes Gegensatzes zu perpetuiren, den dasgemeinsame WortKunst nur scheinbar überbrückt; bissie endlich, durch einen metaphysischen Wunderakt des

2