der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ letztgültig beisich feststellte. — Aus der Musik? Musik und Tragödie?Griechen und Tragödien-Musik? Griechen und das Kunst-werk des Pessimismus? Die wohlgerathenste, schönste,bestbeneidete, zum Leben verführendste Art der bisherigenMenschen, die Griechen — wie? gerade sie hatten dieTragödie nöthig? Mehr noch — die Kunst? Wozu —griechische Kunst? ....
Man erräth, an welche Stelle hiermit das grosseFragezeichen vom Werthe des Daseins gesetzt war. IstPessimismus nothwendig das Zeichen des Niedergangs,Verfalls, des Missrathenseins, der ermüdeten und ge-schwächten Instinkte? — wie er es bei den Indern war,wie er es, allem Anschein nach, bei uns, den „modernen“Menschen und Europäern ist? Giebt es einen Pessimis-mus der Stärke? Eine intellektuelle Vorneig-ung fürdas Harte, Schauerliche, Böse, Problematische des Da-seins aus Wohlsein, aus überströmender Gesundheit, ausFülle des Daseins? Giebt es vielleicht ein Leiden ander Überfülle selbst? Eine versucherische Tapferkeit desschärfsten Blicks, die nach dem Furchtbaren verlangt,als nach dem Feinde, dem würdigen Feinde, an dem sieihre Kraft erproben kann? an dem sie lernen will, was„das Fürchten“ ist? Was bedeutet, gerade bei den Griechender besten, stärksten, tapfersten Zeit, der tragischeMythus? Und das ungeheure Phänomen des Dionysischen?Was, aus ihm geboren, die Tragödie? — Und wiederum:das, woran die Tragödie starb, der Sokratismus derMoral, die Dialektik, Genügsamkeit und Heiterkeit destheoretischen Menschen — wie? könnte nicht geradedieser Sokratismus ein Zeichen des Niedergangs, derErmüdung, Erkrankung, der anarchisch sich lösendenInstinkte sein? Und die „griechische Heiterkeit“ des