353
enge Verbindung mit einer Frau seine ganze Entwicke-lung durchkreuzen und stören lassen — um jenes Triebeswillen!! Wenn man nicht einmal so enge Freundschaftennützlich (im höchsten Sinne) fände! Die „Ergänzung“des Mannes durch das Weib zum vollen Menschen istUnsinn: daraus lässt sich also auch nichts ableiten. —Vielmehr: nur heirathen, erstens zum Zwecke höhererEntwickelung, zweitens um Früchte eines solchen Menschen-thums zu hinterlassen. — Für alle übrigen genügt Con-cubinat, mit Verhinderung der Empfängniss. —Wir müssendieser plumpen Leichtfertigkeit ein Ende machen. DieseGänse sollen nicht heirathen! Die Ehen sollen vielseltener werden! Geht durch die grossen Städte undfragt euch, ob dies Volk sich fortpflanzen soll! Mögensie zu ihren Huren gehen! — Die Prostitution nichtsentimental! Es soll nicht das Opfer sein, das denDamen oder dem jüdischen Geldbeutel gebracht wird —sondern der Verbesserung der Race. Und überdies sollman diese Opferung nicht falsch beurtheilen: die Hurensind ehrlich und thun, was ihnen lieb ist, und ruinirennicht den Mann durch das „Band der Ehe“ — diese Er-drosselung!
/511.
Eine Frau, die begreift, dass sie den Flug ihres Manneshemmt, soll sich trennen — warum hört man von diesemAct der Liebe nicht?
5 ! 2 -
Wie oft wird grob und aufsehenerregend die Ehegebrochen, bloss um den moralischen oder rechtlichenZustand herbeizuführen, in dem eine unerträglich ge-wordene Ehe gelöst werden könne!
Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI.
23