Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

4g*0H=?J=

341

473 -

Nehmt meine Kunst an: denn dann habt ihr

Deutschen eine Kunst, die sich neben der der anderenNationen sehen lassen kann,die deutsche Kunst, zu-nächst zwar nureine deutsche Kunst, aber nun sollbewiesen werden, wie gerade diese Kunst dem Wesender Deutschen entspricht, aus ihm gewachsen ist: Stoffe,Gedanken, Musik u. s. w. Dies ist Wagners Artfür seinen Ruhm zu sorgen: er will, eine Nation sollefür ihn eintreten und ihn in sich und ihrenRuhm auf-nehmen. Dies Spiel ist noch nie so offen gespieltworden, Grund, warum es bis jetzt nicht gelungen ist.Später, wenn Wagner todt ist und seine Schriften ver-gessen sind, ist so etwas möglich. Inzwischen bemächtigensich die Musiker aller Völker seiner Musik und in Kürzewird es nicht mehr wie deutsche, sondern wieMusikklingen. Es ist die Musik der grossen Oper.

474 -

Da jedes Ding bei längerem Bestehen etwas Würdehaben will, so sehen wir auch die Wagnerische Kunstnach allem greifen, was im Stande ist, Würde zu ver-leihen: Christenthum, Fürsten- und Adelsgunst u. s. w.Gar zu gern möchte sie einen Heiligenschein, aber wosind die Mächte, welche solche zu vergeben hätten!

475 -

Man verlangt von der Musik, sie solle märchenhaft,seltsam, unverständlich sein: wovon frühere Zeiten garkeine Vorstellung hatten. Ja festlich, lustig, gesellig,innig, feierlich! Aber