33 «
sobald wir den Text verstehen, ist unsere Empfindungfür die Musik oberflächlich geworden: wir verbinden siejetzt mit Begriffen, wir vergleichen sie mit Gefühlen undüben uns im symbolischen Verstehen — sehr unter-hältend! Aber mit dem tiefen, seltsamen Zauber, derunseren Gedanken einmal Ruhe gab, mit jener farbigenDämmerung, welche den geistigen Tag einmal auslöschte,ist es vorbei. — Sobald man freilich die Worte nichtmehr versteht, ist alles wieder in Ordnung: und dies istglücklicher Weise die Regel. Immerhin sind billiger-weise schlechte Texte den besseren vorzuziehen, weilsie kein Interesse auf sich lenken und überhört seinwollen. — Die Oper will die Augen zugleich beschäftigen,und weil bei der grossen Menge die Augen grösser sindals die Ohren, was viel sagen will, so richtet sich dieMusik der Oper nach den Augen und begnügt sich, cha-rakteristische Fanfaren zu blasen, sobald etwas Neues zusehen ist — Anfang der Barbarei.
465-
Wie die Natur nicht nach Zwecken verfährt, so sollteder Denker auch nicht nach Zwecken denken, das heisstnichts suchen, nichts beweisen oder widerlegen wollen,aber so wie bei einem Musikstück zuhören: er trägteinen Eindruck davon, je wie viel oder wie wenig ergehört hat. Dieser Eindruck entsteht aus einer Ver-gleichung dessen, was man früher an Eindrücken vonMusik gehabt hat, man muss diese Art Sprache ver-stehen; je feiner man sie versteht, desto grösser ist Lustund Unlust dabei. Der grobe Mensch geniesst dasLeben wie die Musik jeder Art wesentlich als Ge-nuss und Lust. — Die feineren Kunstfreuden sowie