Psychologie,
i. Allgemeines.
a) Wahrnehmung, Phantasie, Gedächtniss, Denken.
306.
Das Vervollständigen (zum Beispiel wenn wir dieBewegung eines Vogels als Bewegung zu sehen meinen),das sofortige Ausdichten geht schon in den Sinnes-wahrnehmungen los. Wir formuliren immer ganzeMenschen aus dem, was wir von ihnen sehen und wissen.Wir ertragen die Leere nicht, — das ist die Unver-schämtheit unserer Phantasie: wie wenig an Wahrheitist sie gebunden und gewöhnt! Wir begnügen unskeinen Augenblick mit dem Erkannten (oder Erkenn-baren!). Das spielende Verarbeiten des Materialsist unsere fortwährende Grundthätigkeit, Übung also derPhantasie. Man denke als Beweis, wie mächtig dieseThätigkeit ist, an das Spielen des Sehnervs bei ge-schlossenem Auge. Ebenso lesen wir, hören wir. Dasgenaue Hören und Sehen ist eine sehr hohe Stufe derCultur, — wir sind noch fern davon. Die Lügnereiwird noch gar nicht darin gefühlt! Dieses spontane Spielvon phantasirender Kraft ist unser geistiges Grundleben:die Gedanken erscheinen uns, das Bewusstwerden, dieSpiegelung des Processes im Process ist nur eine ver-hältnissmässige Ausnahme (vielleicht ein Brechen amContraste).