Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

272

28 I.

Der Dünkel, das Gefühl der Macht ist oft ganz un-schuldig und gebärdet sich wie ein Kind, ohne von gutund böse zu wissen.

282.

Sagt nicht, dass die Langeweile sie plagt: sie wollenan nichts anbeissen, weil ihr Wille zur Macht nicht weiss,wie er zu sättigen ist alles andere ist nichts dagegen.

283.

Moralität: wir legen unseren Handlungen einen ima-ginären Werth bei (abhängig vom Erfolge), die Em-pfindung des Nicht-mehr-Sclaven! Auf alles drückter das Siegel der neuen Freiheit. Stärkstes Gefühlder Veränderung, wenn der Sclave thun kann, waser will.

284.

Geistesgegenwart: das heisst die Fähigkeit sich seineWorte und Handlungen durch die Umstände dictiren zulassen, ist also eine Fähigkeit zu lügen und zuheucheln.

285.

Die Plage durch die Begierde ist an sich nicht sogross, wenn man sie für nichts Böses hält. So wenigals der Stuhldrang uns tiefe Seelennoth macht.

286.

Sie nennen es meinen Muth, andere werden esmeine Schamlosigkeit nennen. Das Loben und Tadelntrifft nicht die Sache, sondern ein Verhältniss des Loben-den und Tadelnden zu dieser Sache.