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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
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263.

Um von den Sünden zu erlösen, empfahl man früherden Glauben an Jesus Christus. Jetzt aber sage ich: dasMittel ist, glaubt nicht an die Sünde! Diese Cur istradikaler. Die frühere wollte einen Wahn durch einenandern erträglich machen.

Nur ist es nicht so leicht, nicht zu glauben, dennwir selber haben einmal daran geglaubt und alle Welt glaubtoder scheint doch daran zu glauben. Wir müssen nicht nurumlernen, sondern unsere Schätzungen umgewöhnenes bedarf der Übung.

264.

Alle Menschen sind Sünder ist eine solche Über-treibung wiealle Menschen sind Irre, auf welche Arztegerathen könnten. Hier sind die Gradunterschiede ausserAcht gelassen, und das Wort und die Empfindung, welcheder abnorme, äusserste Grad erweckt hat, sind auf dasganze verwandte Seelenleben der mittleren und niederenGrade mit übertragen. Man hat die Menschheit schrecklichgemacht dadurch, dass man eine Abnormität in ihrWesen verlegte.

265.

Wir können manches Wort einer fremden Sprachenicht nachsprechen, ja nicht einmal richtig hören. Wirkönnen manche Dinge nicht sehen, wenn wir nicht ge-lernt haben, die Theile zu sehen. Auch das Sprechen,Hören und Sehen muss gelernt werden. Aber bei unsererungenauen Beobachtung des Lernvorganges glauben wirin allen drei Fällen, der gute Wille genüge, und setzen beieinem jungen Menschen, dem es misslingt, bösen Willenvoraus. Wie böse hat man sich die Menschheit dadurchgemacht, dass man ihr Unvermögen in den Willen verlegte!