Auch sein Stolz war grösser als der Durst nach Er-kenntnis, er fürchtete für seinen Ruf, im Widerrufen.
14.
Schopenhauer hatte sich seinen Ruhm zu früh fest-gestellt und war nicht stolz genug, sich gegen seineausgesprochenen Grundsätze weiter zu entwickeln. Erfürchtete für seinen Ruhm und zog die verhältnissmässigeUnfruchtbarkeit der Beschämung vor, sich widersprechenzu müssen.
15 -
Gegen Schopenhauer: er hat die Miene eines Men-schen, der zufrieden mit sich ist, so gut zu reden wiedie Personen Racine’s und Schiller’s (nach Stendhal).Gut, er ist voll von Leidenschaft, aber zunächst ist erzufrieden damit, schön zu sprechen.
16.
Stark empfinden, eine starke Empfindung lange an-halten lassen können und auf einer Saite viele Melodienspielen — das macht die grossen Pathetiker unter dengrossen Schriftstellern, zu denen auch Schopenhauer ge-hört: sie unterscheiden sich von den Philosophen, ob sichschon Schopenhauer zu diesen rechnete: sie wollen näm-lich nicht um jeden Preis erkennen, sondern um jedenPreis ihr Lied singen.
17-
Verglichen mit den Brahmanen kennen wir die Mensch-heit nur in einer ungeheuren Ermattung ihres Kraft-gefühls und ihres Glaubens an sich: selbst bei unsernstolzesten Philosophen.