122
383.
Ich habe gesagt: „man könne sehr viel über die Ent-stehung des Kunstwerks aus Wagner’s Schriften lernen.“Nämlich die tiefe Ungerechtigkeit, Selbstlust und Über-schätzung, die Verachtung der Kritik u. s. w.
384-
Schrecken, bis zu welchem Grade ich selbst anWagner’s Stil Vergnügen haben konnte, der so nach-lässig ist, dass er eines solchen Künstlers nicht würdig ist.
385.
Mein Fehler war der, dass ich nach Bayreuth miteinem Ideal kam: so musste ich denn die bitterste Ent-täuschung erleben. Die Überfülle des Hässlichen, Ver-zerrten, Überwürzten stiess mich heftig zurück.
386.
Einsicht in die Ungerechtigkeit des Idealismus,darin, dass ich mich für meine getäuschten Erwartungenan Wagner rächte.
387.
Ich rathe jedem, sich vor gleichen Pfaden (Wagnerund Schopenhauer) nicht zu fürchten. Das ganz eigent-lich unphilosophische Gefühl, die Reue, ist mir ganzfremd geworden.
388.
Aber hinterdrein wurde mir der Blick für die tausendQuellen in der Wüste geöffnet. Jene Periode sehr nütz-lich gegen eine vorzeitige Altklugheit.