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reinsten Art von Liebe lieben könnte, wäre der, welchersich zugleich selbst verachtete, und welcher zu sichspräche: verachte niemanden, ausgenommen dich selbst,weil du dich allein kennen kannst. Dies ist vielleichtdie Stellung des Stifters der christlichen Religion zurWelt. Selbstliebe aus Erbarmen mit sich und seinervölligen Verächtlichkeit ist Kern des Christenthums ohnealle Schaale und Mythologie. Das Gefühl dieser Ver-ächtlichkeit entspringt aus Selbsterkenntniss und diesewieder aus Rachebedürfniss. Hat jemand genug an sichgelitten, sich selbst genug verletzt durch Sündhaftigkeitaller Art, so beginnt er gegen sich das Gefühl der Rachezu fühlen. Eindringende Selbstbetrachtung und zuletztSelbstverachtung sind die natürlichen Folgen, bei manchenMenschen selbst Askese, das heisst Rache an sich inThätlichkeit des Widerwillens und des Hasses. Auchdarin, dass der Mensch sich mehr Mühe und Hast zu-muthet, zeigt sich derselbe Hang zur Rache an sich.Dass bei alledem der Mensch sich noch liebt, erscheintdann wie ein Wunder, und gewöhnlich legt man einesolche geläuterte und unbegreifliche Liebe einem Gottebei; aber der Mensch selbst ist es, der einer solchenLiebe fähig ist in einer Art von Selbstbegnadigung;denn er kann nicht auf hören, sich zu lieben, da seineLiebe nie Sache des Kopfes sein kann. In diesem Zu-stande wird die Liebe Herr über das Gefühl der Rache,der Mensch vermag wieder zu handeln und weiter zuleben; er hält freilich dieses Handeln und alles irdischeStreben nicht sehr hoch, es ist fast zwecklos, aber erkann nicht anders als handeln. Wie der Christ der erstenZeit sich durch den Hinblick auf den Untergang derWelt tröstet und dann endliqh seiner verächtlichen, zumHandeln treibenden Natur verlustig zu gehen hofft, so