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11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
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Bei der Verdoppelung ist das Gedächtniss wirksam. Fühlen,ohne dass es durch das Gehirn gegangen ist: was istdas? Lust und Schmerz reichen nur so weit, als esGehirn giebt.

103.

Wenn Schopenhauer dem Willen das Primat zu-ertheilt und den Intellect hinzukommen lässt, so ist dochdas ganze Gemüth, so wie es uns jetzt bekannt ist, nichtmehr zur Demonstration zu benutzen. Denn es ist durchund durch intellectual geworden (so wie unsere Ton-empfindung in der Musik intellectual wurde). Ich meine:Lust und Schmerz und Begehren können wir gar nichtvom Intellect mehr losgetrennt denken. Die Höhe, Mannig-faltigkeit, Zartheit des Gemüths ist durch zahllose Ge-dankenvorgänge grossgezüchtet worden; wie die Poesiesich zur jetzigen Musik verhält, als die Lehrerin allerSymbolik, so der Gedanke zum jetzigen Gemüth. DieseGedanken sind vielfache Irrthümer gewesen; zum Bei-spiel die Stimmung der Frömmigkeit ruht ganz auf demIrrthume. Lust und Schmerz ist wie eine Kunst aus-gebildet worden, genau durch dieselben Mittel wie eineKunst. Die eigentlichen Motive der Handlungen ver-halten sich jetzt so wie die Melodien der jetzigen Musik;es ist gar nicht mehr zu sagen, wo Melodie, wo Beglei-tung, Harmonie ist; so ist bei den Motiven der Hand-lungen alles künstlich gewebt, mehrere Motive bewegensich neben einander und geben sich gegenseitig Har-monie, Farbe, Ausdruck, Stimmung. Bei gewissen Stim-mungen meinen wir wohl den Willen abgesondert vomIntellect zu haben, es ist eine Täuschung; sie sind einResultat. Jede Regung ist intellectual geworden; waseiner zum Beispiel bei der Liebe empfindet, ist das Er-

Nietzsche, Werke II. Abtheilung Band XI.

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