Druckschrift 
11 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 3 (1901) Unveröffentlichtes aus der Zeit des Menschlichen, Allzumenschlichen und der Morgenröthe : (1875/76 - 1880/81.)
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

99 -

Da sagt jemand:mir soll jener Autor nicht nahekommen; er sagt den Menschen so viel Schlechtes nach,er muss selber recht schlecht sein. Antwort: aber duselbfer musst dann noch schlechter sein, denn du sagstden besten Leuten, die es giebt, den Wahr-Redendenund Sich-selbst-nicht-Schonenden, Schlechtes nach undnoch dazu Unwahres!

ioo.

Der grösste Theil unseres Wesens ist uns unbekannt.Trotzdem lieben wir uns, reden als von etwas ganz Be-kanntem, auf Grund von ein wenig Gedächtniss. Wirhaben ein Phantom vomIch im Kopfe, das unsvielfach bestimmt. Es soll Consequenz der Entwickelungbekommen. Das ist die Privat-Cultur -That wirwollen Einheit erzeugen (aber meinen, sie sei nur zuentdecken!).

101.

Man kann nicht erklären, was die Empfindung ist:aber ich glaube, es ist nicht viel, wenn man es weiss,und gewiss steckt kein Welträthsel dahinter.

102.

Bewusstes Empfinden ist Empfindung der Empfin-dung, ebenso bewusstes Urtheilen enthält das Urtheil, dassgeurtheilt wird. Der Intellect ohne diese Verdoppelungist uns unbekannt, natürlich. Aber wir können seineThätigkeit als die viel reichere aufzeigen. Es ergiebtsich, dass Empfindung in dem ersten Stadium empfindungs-los ist. Erst der Verdoppelung kommt der Name zu.