8
ganz und gar zum Typus des Freigeistes der Gegenwartgeworden ist, während wir den Ansatz zu ihm und dengleichsam vorgezeichneten Abriss seines Wesens wie mitAugen an uns allen wahrnehmen. Während nun derVerfasser dieses Buches seit geraumer Zeit jenen grossentypischen Menschen nachspürte, welche aus diesem Zeit-alter heraus und über dasselbe hinauswachsen, um einmaldie Stützen einer zukünftigen Cultur zu sein, entgieng ihmjener Mangel eines wesentlichen Typus nicht; er suchtesich dadurch zu helfen, dass er das Bild des Freigeistesder Gegenwart nach jenen inneren Fingerzeigen zusehen und allmählich zu malen versuchte. Indem er aufdie Stunden sorgsam Acht gab, in welchen jener Geistaus ihm redete, indem er das Gesetz der Stunden, deninneren Zusammenhang jener Geisterreden fand, wurdeihm aus jenem Geiste eine Person, aus einer Personbeinahe eine Gestalt. Zuletzt gewann er es nicht mehrüber sich, dieselbe, als den Typus des Freigeistes derGegenwart, öffentlich nur zu malen; das Verwegeneregefiel ihm, den Geist reden zu lassen, ja ihm ein Buchunterzuschieben. Möge der Hörer dieser Reden mitVertrauen seine Nähe fühlen, möge er empfinden, wiejene fast nervöse freigeisterische Erregbarkeit, jenerWiderwille gegen die letzten Reste von Zwang und an-befohlener Mässigung an eine gefestete, milde und fastfrohsinnige Seele angeknüpft ist, bei der niemand nöthighat, gegen Tücken und plötzliche Ausbrüche auf der Hutzu sein! Namentlich fehlt diesem freien Gesellen derknurrende Ton und die Verbissenheit, die Eigenschaftenalter Hunde und Menschen, welche lange an der Kettegelegen haben; der moderne Freigeist ist nicht wie seineVorfahren aus dem Kampfe geboren, vielmehr aus demFrieden der Auflösung, in welche er alle geistigen