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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
418
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eines ewigen Saitenspiels, ein Gefühl, das ich euch nurmit einem Gleichnisse errathen lassen möchte.

Habt ihr euch einmal, in einer Musikprobe, miteiniger Theilnahme die sonderbare verschrumpft-gut-müthige Species des Menschengeschlechts angesehn, ausder das deutsche Orchester sich zu bilden pflegt? WelcheWechselspiele der launenhaften GöttinForm! WelcheNasen und Ohren, welche ungelenken oder klapperdürr-raschelnden Bewegungen! Denkt einmal, dass ihr taubwäret und von der Existenz des Tons und der Musiknicht einmal etwas geträumt hättet und dass ihr dasSchauspiel einer Orchesterevölution rein als plastischeArtisten gemessen solltet: ihr würdet euch, ungestörtdurch die idealisirende Wirkung des Tons, gar nicht sattsehen können an der mittelalterlich derben Holzschnitts-manier dieser Komik, an dieser harmlosen Parodie aufden homo sapiens.

Nun denkt euch wiederum euren Sinn für Musikwiederkehrend, eure Ohren erschlossen und an der Spitzedes Orchesters einen ehrsamen Taktschläger in ange-messener Thätigkeit: die Komik jener Figurationen istjetzt für euch nicht mehr da, ihr hört aber der Geistder Langeweile scheint euch aus dem ehrsamen Takt-schläger auf seine Gesellen überzugehen. Ihr seht nurnoch das Schlaffe, Weichliche, ihr hört nur noch dasRhythmisch - Ungenaue , das Melodisch - Gemeine undTrivial-Empfundene. Das Orchester wird für euch einegleichgültig-verdriessliche oder eine geradezu widerwärtigeMasse.

Endlich aber setzt mit beflügelter Phantasie einmal einGenie, ein wirkliches Genie mitten in diese Masse hinein sofort merkt ihr etwas Unglaubliches. Es ist, als obdieses Genie in blitzartiger Seelenwanderung in alle diese