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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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und endlich an dem griechischen und römischen Alter-thum als an dem leibhaften kategorischen Imperativ allerCultur.

Der Mensch ist so umlagert von den ernstesten undschwierigsten Problemen, dass er, in der rechten Weisean sie herangeführt, zeitig in jenes nachhaltige philo-sophische Erstaunen gerathen wird, auf dem allein, alsauf einem fruchtbaren Untergründe, eine tiefere und edlereBildung wachsen kann. Am häufigsten fuhren ihn wohldie eignen Erfahrungen an diese Probleme heran, undbesonders in der stürmischen Jugendzeit spiegelt sich fastjedes persönliche Ereigniss in einem doppelten Schimmer,als Exemplification einer Alltäglichkeit und zugleich einesewigen erstaunlichen und erklärungswürdigen Problems.In diesem Alter, das seine Erfahrungen gleichsam mitmetaphysischen Regenbogen umringt sieht, ist der Menschauf das höchste einer führenden Hand bedürftig, weil erplötzlich und fast instinctiv sich von der Zweideutigkeitdes Daseins überzeugt hat und den festen Boden der bis-her gehegten überkommenen Meinungen verliert.

Dieser naturgemässe Zustand höchster Bedürftigkeitmuss begreiflicherweise als der ärgste Feind jener belieb-ten Selbständigkeit gelten, zu der der gebildete Jüng-ling der Gegenwart herangezogen werden soll. Ihn zuunterdrücken und zu lähmen, ihn abzuleiten oder zu ver-kümmern sind deshalb alle jene bereits in den SchoossdesSelbstverstandes eingekehrten Jünger derJetztzeiteifrig bemüht: und das beliebteste Mittel ist, jenen natur-gemässen philosophischen Trieb durch die sogenanntehistorische Bildung zu paralysiren. Ein noch jüngst inscandalöser Weltberühmtheit stehendes System hatte dieFormel für diese Selbstvernichtung der Philosophie aus-findig gemacht: und jetzt zeigt sich bereits überall, bei